Es gibt in Deutschland zahlreiche Bücher, in denen die These aufgestellt wird, dass Politik nicht mehr von gewählten Politikern, sondern von bezahlten

 

Es gibt in Deutschland zahlreiche Bücher, in denen die These aufgestellt wird, dass Politik nicht mehr von gewählten Politikern, sondern von bezahlten Lobbyisten gemacht wird. Aber was genau ist eigentlich ein Lobbyist?

Die Bedeutung von Interessenvertretung in einer Demokratie

Neutral betrachtet ist ein Lobbyist jemand, der versucht, Interessen durchzusetzen. Hier geht es allerdings nicht um seine persönlichen Interessen, sondern um die seines Auftragsgebers. Dabei kann es sich um einen Autokonzern, einen Kleingartenverein oder einen Umweltverband handeln. Generell ist diese Arbeitsteilung sinnvoll, denn so müssen die Politiker sich nicht um die unzähligen Einzelmeinungen ihrer Wähler kümmern, sondern können mit den Vertretern der zuständigen Verbände sprechen. Die Politiker spezialisieren sich in ihrer täglichen Arbeit zwar alle auf ein bestimmtes Fachgebiet und erwerben dort ein gewisses Fachwissen. Gleichzeitig sind sie, besonders bei komplexen Fragestellungen, auf die Hilfe von Experten angewiesen. Damit in Gesetzen nicht nur angelesenes Fachwissen berücksichtigt wird, sondern auch praktische Probleme, die auftreten können, werden regelmäßig Experten in den Fachausschüssen befragt.

Repräsentative Politik

Da es in einem so bevölkerungsreichen Land wie Deutschland unmöglich ist, alle Menschen gleichermaßen an der politischen Entscheidungsfindung zu beteiligen, herrscht hier eine repräsentative Demokratie. Das bedeutet, dass die Wähler ihr Kreuz auf dem Wahlzettel bei der Person machen können, von der sie meinen, dass sie ihre persönlichen Interessen am besten durchsetzt. Eine hundertprozentige Übereinstimmung wird es hier natürlich nie geben können, da es sonst ein Parlament mit 80 Millionen Abgeordneten bräuchte.

Politik für die Menschen

Ähnlich ist das auch bei der Interessenvertretung. Problematisch ist hier allerdings, dass nicht alle Interessen gleich gewichtet sind und einige besitzen überhaupt keine Lobby, das heißt einen Verband, der sich für die Durchsetzung dieser Interessen einsetzt. So besitzt beispielsweise die Autolobby große Macht in Deutschland, weil ihre wirtschaftliche Bedeutung so groß ist. Andere Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise Arbeitslose schließen sich hingegen gar nicht erst zu einem Verband zusammen, der ihre Interessen vertritt.